Rarenoise: Bobby Previte’s Mass

Monumentales Werk vereint Alte Musik und Heavy Metal

Stephen O’Malley, Jamie Saft, Marco Benevento, Reed Mathis,
Don McGreevy, Mike Gamble  &THE ROSE ENSEMBLE
Dirigent: Jordan Sramek

New York, 18. November 2016Bobby Previte, bekannt für seine unfehlbaren, intuitiven Grooves am Schlagzeug und als einfallsreicher Komponist und Bandleader, erreicht unerforschtes Terrain mit seinem monumentalen Werk Mass. Es ist sein RareNoise Debut als Leader und folgt auf seine Trio-Kooperation mit Steve Swallow und Jamie Saft (The New Standard) in 2014. Diese neu erdachte Version der Missa Sancti Jacobi von Guillaume Dufay (1397-1474), verbindet den imposanten Klang der Orgel mit dem gepriesenen 11-stimmigen Rose Ensemble, geleitet von Jordan Sramek, und eine Gruppe Musiker bestehend aus Previte (Schlagzeug), Marco Benevento (Orgel), Don McGreevy, Stephen O’Malley, Mike Gamble und Jamie Saft an den e-Gitarren und Reed Mathis am e-Bass. Eine Art Heavy Metal Messe, angereichert mit Feedback Gitarren, Power Akkorden, Fuzz Bass, donnernden Beats und dem herrlichen Gesang eines mittelalterlichen Chores. Mass ist mit nichts zu vergleichen, das Previte bisher in seiner umfassenden Diskografie präsentiert hat (diese enthält Alben seiner Bands Weather Clear Track Fast, Latin for Travelers, The Coalition of the Willing, Bump und die Beta Popes).

„Ich habe die letzten 12 oder 13 Jahre an dieses Projekt gedacht“, sagt der Schlagzeuger und Komponist. „Fakt ist, es gab eine Version von mir in den frühen 2000, die ich auf einer Tournee durch Europa vorgestellt hatte. Als ich nach Hause kam, war sie mir nicht mehr gut genug und ich begann wieder ganz von vorne.“

Previte kam das erste Mal mit Dufay in Berührung während seiner Musikstunden im College. „Du musst dir klar machen, dass Dufay diese Musik schrieb als es noch keine künstlich erzeugten Sounds von Verstärkern, Flugzeugen oder Bomben gab. Als diese Komposition zu seiner Zeit in einer Kirche aufgeführt wurde, muss es eine überwältigende Erfahrung gewesen sein. Jetzt fühlt es sich leise und meditativ an, aber im Kontext der damaligen Zeit muss es eine gewaltige Kraft gehabt haben. Und ich musste diese Kraft von damals aufwiegen, also habe ich mich dem Metal zugewandt, eine verunglimpfte Musik, die irgendwie immer wieder ihre Beachtung findet.“

Previte und seine Frau, Schriftstellerin und Choreografin Andrea Kleine, zeigten das Stück in 2007 in einer Theaterproduktion am Walker Art Center in Minneapolis. „Sie schrieb das Buch und führte Regie“, erklärt er. „Zu der Zeit traf ich das Rose Ensemble. Sie spezialisieren sich auf Alte Musik, das war essentiell für mich und ist eine völlig andere Disziplin. Und dass dieses gesamte Ensemble den Mut und die Offenheit hatte, an einem Projekt wie diesem teilzunehmen, das war wirklich inspirierend.“

Alle Musiker in dem Stück sind Wegbegleiter von Previte. Der Organist Benevento und Bassist Reed spielten bereits in seiner The Coalition of the Willing, Saft in Previte’s Latin for Travelers und er ist auch ein Teil vom in 2014 auf RareNoise erschienenen Titel The New Standard. Der Gitarrist Gamble ist schon lange ein Kollege und Mitglied von Previte’s jetzigem Quartett, Bobby Previte and the Visitors.  Die Gitarristen O’Malley und McGreevy sind Mitgleider der aus Seattle stammenden Metal Bands Sunn O))) und Earth. „O’Malley hat eine gigantische Mauer aus Amps im Studio errichtet“, sagt Previte. „Aber wenn du den Sound willst, dann brauchst du genau das.“

Nach 12 Jahren hat Mass endlich seinen Höhepunkt erreicht, nach einem langen Weg Prevites. „Ich bin super glücklich über das Ergebnis, denn es ist unglaublich schwer diese Musik zu spielen“, sagt er. „Alle drei Säulen dieses Stückes, Chor, Metal Trio und Orgel, operieren auf verschiedenen Ebenen, Tonart, Zeit und Tempo. Alles sollte parallel laufen, aber die Kadenzen waren schwierig. Nach einiger Zeit waren wir endlich imstande zu hören, wie alles laufen musste und was der Chor singen muss, wenn du als der Gitarrist auf der dritten Note im Takt Nummer 15 bist, ein 4/4 Takt, während sie im 33. Takt des 6/8 in einem komplett anderen Tempo sind. Es hört sich verrückt an. Und es ist verrückt. Aber letztendlich hat alles gut geklappt und das bestätigt die Ausdauer und das Können aller beteiligten Musiker.

Previte fügt noch hinzu, „und dieses Album Cover ist wohl das beste, was ich je auf meinen Aufnahmen hatte. Eine unglaublich gute Arbeit von Hadi Nasiri.“

Mass ist bisher die kühnste Komposition Prevites und auf RareNoiseRecords erhältlich.

Bobby Previte’s Mass wurde inspiriert von der Missa Sancti Jacobi von Guillaume Dufay (1397-1474), die Orgel Komposition von Olivier Messiaen (1908-1992)

Ein Service der Jazzpages - Jazz in Deutschland

Intuition: Enrico Pieranunzi und Rosario Giuliani – Duke’s Dream

Eine Hommage ist bei aller Zuneigung immer auch ein Selbstporträt –
Enrico Pieranunzi ist in einem an Erfahrungen reichen Musikerleben tief in die Jazzgeschichte eingetaucht. In Rosario Giuliani trifft er auf einen Musiker mit dem gleichem Drang nach authentischem Ausdruck. Bei ihren Reflexionen über die Musik von Duke Ellington entwickeln Enrico Pieranunzi und Rosario Giuliani einen vitalen Impuls – Auslöser eines spielerischen Prozesses, der sie die Musik des Duke imaginieren und in frischen Farben aufleuchten lässt. Die beiden schwelgen in einer Atmosphäre, die man treffend „Ellingtonia“ genannt hat. Es gibt Balladen- und Bluesfeeling, tänzerischen Überschwang und Lamento, spirituelle Besinnung und tonale Kühnheiten – all das auf der Basis eines nicht immer ausformulierten, aber stets mitgedachten und mitgefühlten swingenden Grundgestus. Es handelt sich um eine bunte Welt mit eigenen Gesetzen, eigenen Freiheiten und vor allem mit einem eigenen Sound.
Wie die Stücke und die Suiten von Ellington sind auch die Dialoge von Enrico Pieranunzi und Rosario Giuliani angefüllt mit faszinierenden Charakteren, poetischen Bildern und funkelnden Geschichten. Duke’s Dream ist zugleich eine Einladung zum Spiel mit der eigenen Fantasie.
Duke’s Dream

Isfahan (D. Ellington & B. Strayhorn)
Satin Doll (D. Ellington)
Take the Coltrane (D. Ellington)
I got it Bad (D. Ellington)
Duke’s Dream (E. Pieranunzi)
Reflections in D (D. Ellington)
Sonnet for Caesar (D. Ellington)
Duke’s Atmosphere (E. Pieranunzi)
Trains (R. Giuliani & E. Pieranunzi)

Ein Service der Jazzpages - Jazz in Deutschland

Klaeng: pollon mit Debüt-CD

Pollon ergibt sich der Absurdität der Wirklichkeit. Eine Band spielt einfach drauflos…Und zwar wild, hemmungslos und ungezügelt. Romantisch, ehrlich und sensibel. Humorvoll, fantasiereich und losgelöst. Pollon greift nicht nach etwas, sondern lässt einfach los und lässt sich treiben – überlässt sich in jedem Moment der puren Freude und der immerwährenden Magie der Musik. Die Kompositionen der Bandmitglieder erzählen Geschichten aus dem Leben, die sich durch das kompromisslose aufeinander hören und miteinander spielen der Musiker voll und ganz entfalten.
Pollon – das sind Thomas Sauerborn (Schlagzeug), David Helm (Kontrabass) und Theresia Philipp (Saxophon, Klarinette). Drei äußerst umtriebige Kölner Jazzmusiker der jüngeren Generation, die ausgestattet mit einem hohen Maße an Erfahrung, Experimentierfreudigkeit und Intuition ihre eigene, einzigartige Klangwelt kreieren. Trotz
ihres noch jungen Alters sind alle drei bestens ausgebildet, vielfach preisgekrönt und konzertierten mit namenhaften Jazzmusikern rund um den Globus. Eine erstaunlich reifes Debüt dreier Freunde, die sich bei aller Professionalität den neugierigen Blick eines spielenden Kindes stets bewahrt haben.

Theresia Philipp – Saxophon, Klarinette
David Helm – Bass
Thomas Sauerborn – Schlagzeug

Weitere Informationen über uns finden Sie unter
http://www.thomassauerborn.de/pollon.html

Ein Service der Jazzpages - Jazz in Deutschland

Whyplayjazz: Themroc 3 – Rocthem!

Mit „Rocthem!“, dem neuen Album von Themroc 3, kommt das ganze Extrakt zum Ausdruck, was über Jahre gekeimt hat und sogar an Dringlichkeit dazugewonnen hat!

WhyPlayJazz präsentiert: Themroc 3 – Rocthem!

Michael Griener (dr), Richard Koch (tp), Benjamin Weidekamp (cl)

Alexander von Schlippenbach bringt es auf den Punkt: „Die zwingende Durchgängigkeit in den famosen Stücken und im Gesamtkonzept ist bemerkenswert. Eigenständiger, progressiver Jazz mit einer Prise Humor, der sich aus der Musik selbst abstrakt mitteilt“.

Einblick in das punkig-interaktiv Kollektiv https://whyplayjazz.de/releases/RS029

Ein Service von
Ein Service der Jazzpages - Jazz in Deutschland

fixcel records: Kathrin Lemkes letzte CD „My Personal Heimat“

Kathrin Lemke - My Personal Heimat

Kathrin Lemke Quartett
MY PERSONAL HEIMAT

Im Juli 2015 war es Zeit für eine Standortbestimmung, eine Selbstreflexion, den Blick auf die eigenen musikalischen Wurzeln. So begab sich die Saxophonistin Kathrin Lemke mit ihrem Quartett, in dem Niko Meinhold am Piano, Adam Pultz Melbye am Bass und Michael Griener am Schlagzeug spielten, ins Studio H2 im Berliner Funkhaus Nalepastraße (in dem von 1956 bis 1990 der einstige „Rundfunk der DDR“ seinen Sitz hatte).

„My Personal Heimat“ wurde zum Titel der Einspielung, und Kathrin Lemke schaute weit zurück auf die Anfänge ihrer musikalischen Sozialisation, bis in ihre frühen Kinderjahre. In eine Zeit, als Jazz für sie noch irgendwo hinter dem musikalischen Horizont lag, die ersten Lieder aus der berühmten „Mundorgel“ geträllert wurden und Schlager aus den wenigen öffentlich-rechtlichen Sendern in Radio und Fernsehen tönten.

Wer konnte oder wollte sich im jugendlichen Alter den musikalischen Ohrwürmern entziehen? Und wie unbeeinflusst können einen diese Melodien der Jugend lassen?

Kathrin Lemke wusste um die Bedeutung ihrer musikalischen Heimat, konnte mit dem Material virtuos umgehen und bewegte sich damit in einer feinen Jazztradition – zieht sich die Veredelung von „Gassenhauern“ doch durch die gesamte Jazzgeschichte.

Es gehört die Liebe zu den Melodien dazu, das gute Zentrum der Kompositionen wahrzunehmen, und die Feinfühligkeit, um diese Inspirationen mit in einen ganz persönlichen Jazz-Ansatz zu übernehmen. Kathrin Lemke hat es getan und war nicht allein auf ihrer Entdeckungsreise, sie hatte ein großartiges Quartett zusammengestellt, das mit ihr diese Reise unternahm.

Es kamen einige auf den ersten Blick merkwürdige bis witzige Einflüsse zusammen. Musikalische „Perlen“ wie: „Ich wünsch´ mir ne kleine Miezekatze“, das „Lied der Schlümpfe“ oder „Captain Future“ – eine gewisse Traute gehört schon dazu, solche Titel auf ein Jazzalbum zu pressen.

Auch die Schallplatten, die im Elternhaus in Heidelberg zu hören waren, wurden zur Inspiration: „Am Rio Jarama“, das Revolutionslied  aus dem Spanischen Bürgerkrieg, und „Bella Ciao“, die Hymne der italienischen Antifaschisten, bis hin zum „Abschied vom Walde“ von Mendelssohn Bartholdy.

Die „Personal Heimat“ umfasst zudem Kathrin Lemkes persönliche  geographische Biographie: Ihre Wahlheimat Berlin ist zu hören mit „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten“ und natürlich das heimatliche Heidelberg ihrer Jugend mit „Ich hab´ mein Herz in Heidelberg verloren“.

Viele dieser Lieder haben einen musikalisch schlichten Kern, mit einfachen Melodien. Aber die leicht ironisch so genannten „Perlen“ verlieren die Gänsefüßchen mit der Transformation ins Jazzgenre. So wie sich Schichten von Perlmutt um ein Sandkorn legen und dieses Korn zu etwas ganz Neuem, Schimmerndem machen, so gelingt es Kathrin Lemke mit ihrem Quartett, die Qualitäten des Ausgangsmaterials zu veredeln, mit musikalischem Perlmutt zu umhüllen.

Da wird aus dem eh schon umtriebigen Berliner Bolle nach wenigen Takten ein im Free-Jazz-Feld hin- und her springender Hektiker. Adam Pultz Melbye gibt mit seinem Bass-Intro die dunkle Stimmung von „The House Of The Rising Sun“ vor, in der Meinhold und Lemke später im harmonischen Niemandsland umherpirschen. Und Michael Griener erzaubert in „Bella Ciao“ im Dialog mit Pultz Melbye pulsierende Rhythmusskulpturen.

Die düsteren Töne auf „My Personal Heimat“ lassen sich nicht überhören: „Captain Future“ wagt sich nur mit einem dünnen Saxophonstimmchen aus dem Dickicht von Schlagzeug, gestrichenem Bass und Piano heraus. Und „Ich hab´ mein Herz in Heidelberg verloren“ wird zum Funeral March.

Es ist  bitter, dass dieses musikalische Statement das letzte von Kathrin Lemke ist. Die Namensgeberin des Quartetts starb am 22. Januar 2016. Viel zu früh, nach langem Kampf mit einer tückischen Krankheit. Für ihre Angehörigen und Freunde ein unersetzlicher Verlust und ebenso für die Jazzszene. So wurde aus der Standortbestimmung nun
ihr musikalischer Nachlass.

Kathrin Lemkes letztes Studioalbum erscheint Ende Oktober 2016 – ein Jahr nachdem sie im Gewölbekeller des Jazzinstituts Darmstadt in der CD-Besetzung dieses Programm spielte. Es war ihr letztes Konzert. Wer dabei war, wird sich an Kathrins leuchtende Augen, ihre Freude an der Musik – auch am Sprechen über diese Musik – erinnern; und an ihre Lebensfreude. Wir können dankbar sein, sie gehabt zu haben, sie immer noch hören zu dürfen und dafür, dass Kathrin Lemke ihre musikalischen Spuren hinterlassen hat.

fixcel records

Ein Service der Jazzpages - Jazz in Deutschland