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Kathrin Lemke - My Personal Heimat

Im Jazz-Shop der Jazzpages gibt es derzeit die aktuelle CD des Kathrin Lemke Quartetts „My Personal Heimat“ zusammen mit einer anderen CD nach Wahl aus dem Programm von fixcel records im Bundle für nur 22 Euro inklusive Versand.

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fixcel records: Kathrin Lemkes letzte CD „My Personal Heimat“

Kathrin Lemke - My Personal Heimat

Kathrin Lemke Quartett
MY PERSONAL HEIMAT

Im Juli 2015 war es Zeit für eine Standortbestimmung, eine Selbstreflexion, den Blick auf die eigenen musikalischen Wurzeln. So begab sich die Saxophonistin Kathrin Lemke mit ihrem Quartett, in dem Niko Meinhold am Piano, Adam Pultz Melbye am Bass und Michael Griener am Schlagzeug spielten, ins Studio H2 im Berliner Funkhaus Nalepastraße (in dem von 1956 bis 1990 der einstige „Rundfunk der DDR“ seinen Sitz hatte).

„My Personal Heimat“ wurde zum Titel der Einspielung, und Kathrin Lemke schaute weit zurück auf die Anfänge ihrer musikalischen Sozialisation, bis in ihre frühen Kinderjahre. In eine Zeit, als Jazz für sie noch irgendwo hinter dem musikalischen Horizont lag, die ersten Lieder aus der berühmten „Mundorgel“ geträllert wurden und Schlager aus den wenigen öffentlich-rechtlichen Sendern in Radio und Fernsehen tönten.

Wer konnte oder wollte sich im jugendlichen Alter den musikalischen Ohrwürmern entziehen? Und wie unbeeinflusst können einen diese Melodien der Jugend lassen?

Kathrin Lemke wusste um die Bedeutung ihrer musikalischen Heimat, konnte mit dem Material virtuos umgehen und bewegte sich damit in einer feinen Jazztradition – zieht sich die Veredelung von „Gassenhauern“ doch durch die gesamte Jazzgeschichte.

Es gehört die Liebe zu den Melodien dazu, das gute Zentrum der Kompositionen wahrzunehmen, und die Feinfühligkeit, um diese Inspirationen mit in einen ganz persönlichen Jazz-Ansatz zu übernehmen. Kathrin Lemke hat es getan und war nicht allein auf ihrer Entdeckungsreise, sie hatte ein großartiges Quartett zusammengestellt, das mit ihr diese Reise unternahm.

Es kamen einige auf den ersten Blick merkwürdige bis witzige Einflüsse zusammen. Musikalische „Perlen“ wie: „Ich wünsch´ mir ne kleine Miezekatze“, das „Lied der Schlümpfe“ oder „Captain Future“ – eine gewisse Traute gehört schon dazu, solche Titel auf ein Jazzalbum zu pressen.

Auch die Schallplatten, die im Elternhaus in Heidelberg zu hören waren, wurden zur Inspiration: „Am Rio Jarama“, das Revolutionslied  aus dem Spanischen Bürgerkrieg, und „Bella Ciao“, die Hymne der italienischen Antifaschisten, bis hin zum „Abschied vom Walde“ von Mendelssohn Bartholdy.

Die „Personal Heimat“ umfasst zudem Kathrin Lemkes persönliche  geographische Biographie: Ihre Wahlheimat Berlin ist zu hören mit „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten“ und natürlich das heimatliche Heidelberg ihrer Jugend mit „Ich hab´ mein Herz in Heidelberg verloren“.

Viele dieser Lieder haben einen musikalisch schlichten Kern, mit einfachen Melodien. Aber die leicht ironisch so genannten „Perlen“ verlieren die Gänsefüßchen mit der Transformation ins Jazzgenre. So wie sich Schichten von Perlmutt um ein Sandkorn legen und dieses Korn zu etwas ganz Neuem, Schimmerndem machen, so gelingt es Kathrin Lemke mit ihrem Quartett, die Qualitäten des Ausgangsmaterials zu veredeln, mit musikalischem Perlmutt zu umhüllen.

Da wird aus dem eh schon umtriebigen Berliner Bolle nach wenigen Takten ein im Free-Jazz-Feld hin- und her springender Hektiker. Adam Pultz Melbye gibt mit seinem Bass-Intro die dunkle Stimmung von „The House Of The Rising Sun“ vor, in der Meinhold und Lemke später im harmonischen Niemandsland umherpirschen. Und Michael Griener erzaubert in „Bella Ciao“ im Dialog mit Pultz Melbye pulsierende Rhythmusskulpturen.

Die düsteren Töne auf „My Personal Heimat“ lassen sich nicht überhören: „Captain Future“ wagt sich nur mit einem dünnen Saxophonstimmchen aus dem Dickicht von Schlagzeug, gestrichenem Bass und Piano heraus. Und „Ich hab´ mein Herz in Heidelberg verloren“ wird zum Funeral March.

Es ist  bitter, dass dieses musikalische Statement das letzte von Kathrin Lemke ist. Die Namensgeberin des Quartetts starb am 22. Januar 2016. Viel zu früh, nach langem Kampf mit einer tückischen Krankheit. Für ihre Angehörigen und Freunde ein unersetzlicher Verlust und ebenso für die Jazzszene. So wurde aus der Standortbestimmung nun
ihr musikalischer Nachlass.

Kathrin Lemkes letztes Studioalbum erscheint Ende Oktober 2016 – ein Jahr nachdem sie im Gewölbekeller des Jazzinstituts Darmstadt in der CD-Besetzung dieses Programm spielte. Es war ihr letztes Konzert. Wer dabei war, wird sich an Kathrins leuchtende Augen, ihre Freude an der Musik – auch am Sprechen über diese Musik – erinnern; und an ihre Lebensfreude. Wir können dankbar sein, sie gehabt zu haben, sie immer noch hören zu dürfen und dafür, dass Kathrin Lemke ihre musikalischen Spuren hinterlassen hat.

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